Begegnungen, die berühren
Rückblick auf den Tag der Wohnungslosen 2024
Auf der Bühne im Willy-Brandt-Haus am Tag der Wohnungslosen 2024.
Eine Ausstellung zum Nachdenken
Der Tag der Wohnungslosen war für mich als Moderator ein tief berührender Abend. Im Willy-Brandt-Haus durfte ich nicht nur eine bewegende Podiumsdiskussion leiten, sondern auch auf Augenhöhe mit Menschen sprechen, deren Leben von Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit geprägt ist. Diese Begegnungen haben mir einmal mehr vor Augen geführt, wie privilegiert all jene sind, die einen Schlüssel in der Tasche haben, der ihnen Zugang zu einem sicheren Ort bietet. Genau dieser Schutzraum fehlt den Menschen, die auf der Straße leben.
Besonders bewegend waren die persönlichen Geschichten, die Debora Ruppert in ihrem Projekt „Stimmen der Straße“ eingefangen hat. Ihre Filme und Portraits von Menschen, die in Obdachlosigkeit leben, geben uns die Möglichkeit, nicht wegzuschauen, sondern hinzusehen – wirklich hinzusehen. Diese Geschichten waren das Herzstück der Ausstellung und regten zum Nachdenken und zum Dialog an.
Während der Podiumsdiskussion.
Authentische und auf Augenhöhe
Lexi, eine der Podiumsteilnehmerinnen, berichtete offen von ihren Erfahrungen, die sie nach Konflikten mit ihrem Partner dazu zwangen, mit ihren drei Hunden im Auto zu leben. Ihre Hunde sind bis heute ihre Familie, doch diese enge Bindung erschwert ihr die Suche nach einem festen Wohnraum. Es war beeindruckend, wie mutig und authentisch sie ihre Herausforderungen und ihren Alltag beschrieb.
Auch die Worte von Senatorin Cansel Kiziltepe und Prof. Dr. Ulrike Kostka, Diözesancaritasdirektorin, haben uns einen tieferen Einblick in die politischen und sozialen Maßnahmen gegen Wohnungslosigkeit in Berlin gegeben. Es wurde klar, dass Programme wie Housing First dringend notwendig sind, um den Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf zu geben, sondern auch langfristige soziale Integration zu ermöglichen.
Ein herzliches Dankeschön
Ich habe während der Moderation betont, wie wichtig es ist, einen geschützten Raum zu haben, und wie privilegiert wir sind, diesen Schutz durch einen Schlüssel zu sichern. Doch auch das offene und respektvolle Gespräch auf Augenhöhe, das mit allen Beteiligten möglich war, hat mich tief dankbar gemacht. Diese Offenheit wurde auch von Frau Mirja Linnekugel, der Geschäftsführerin des Freundeskreises Willy-Brandt-Haus, gewürdigt.
Ich bin dankbar, dass der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus bis zum 10. November 2024 Raum für diese Ausstellung gibt. Es ist eine Einladung an uns alle, hinzusehen, sich berühren zu lassen und uns zu fragen, wie wir Teil einer Lösung sein können.
Ich bedanke mich für das Vertrauen und die Wärme, die mir an diesem Tag entgegengebracht wurde und kann jeder/m empfehlen, sich die Ausstellung persönlich in Berlin anzusehen.